eSIM & Internet: Warum wir das schon von zu Hause aus klären

Wir hatten alles richtig gemacht. eSIM zu Hause gekauft, zu Hause installiert, lange vor dem Abflug. Und standen trotzdem nach zwölf Stunden Flug in der Ankunftshalle in Vietnam ohne Netz.

Das ist der Teil, den die meisten Artikel zu diesem Thema auslassen: Installieren ist nicht dasselbe wie funktionieren. Was dazwischen schiefgehen kann, haben wir am unpassendsten Moment gelernt — und inzwischen den Anbieter gewechselt.

Warum wir das überhaupt von zu Hause aus klären

Der Grundgedanke stimmt weiterhin. Wer sich erst am Zielort um eine SIM-Karte kümmert, hat bei der Landung kein Internet. Klingt nach Kleinigkeit. Ist es nicht.

Flughafen-WLAN ist eine Wundertüte. Mal läuft es, mal nicht, mal will es eine SMS-Bestätigung an eine Nummer, die im Ausland gar nicht erreichbar ist. Und ohne Internet kein Grab. Ohne Grab keine unkomplizierte Möglichkeit, vom Flughafen wegzukommen — außer man verlässt sich auf die Fahrer am Ausgang, die einem gern das Doppelte oder Dreifache abnehmen.

Genau deshalb war unsere eSIM vorher eingerichtet. Nur eben nicht überprüft.

Was bei uns schiefgelaufen ist

Unser erster Anbieter war Orbit Mobile, 30 Tage mit 20 GB, im direkten Vergleich mit Airalo günstiger. Die Installation von zu Hause lief problemlos. Die eSIM war auf dem Handy, alles sah gut aus.

In Vietnam gelandet, Flugmodus aus — und nichts. Kein Netz. Die eSIM war da, fand aber einfach keine Verbindung. Es hätten irgendwelche Einstellungen geändert werden müssen, und die waren nicht zu finden. Nicht in dem Zustand, in dem man nach einem Langstreckenflug mit zwei Kleinkindern ist.

Dazu kam alles gleichzeitig: Das Flughafen-WLAN funktionierte nicht richtig, der Akku war nach dem langen Flug fast leer, die Kinder am Ende, und wir wollten einfach nur ein Grab rufen und ins Hotel. Stattdessen standen wir in der Halle und haben in Handyeinstellungen herumgesucht. Das war richtig nervig.

Ob das am Anbieter lag, am Gerät oder an einer Einstellung, die wir übersehen haben, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich kann nur sagen, wie es bei uns gelaufen ist — und dass wir daraus zwei Dinge gelernt haben.

Lektion 1: Die eSIM vor dem Abflug einmal wirklich testen

Installieren reicht nicht. Schau nach der Installation in den Einstellungen nach, ob die eSIM als eigene Leitung auftaucht, ob sie aktiviert ist und ob sie als Datenleitung eingestellt ist. Wenn irgendwo ein Fragezeichen bleibt, klär das zu Hause mit WLAN und geladenem Akku — nicht am Gate und schon gar nicht in der Ankunftshalle.

Lektion 2: Powerbank griffbereit, nicht im Koffer

Nach zwölf Stunden Flug ist das Handy leer. Genau dann brauchst du es: für die eSIM, für Grab, für die Adresse der Unterkunft. Die Powerbank gehört ins Handgepäck, in die Außentasche, nicht ganz unten.

Wie es jetzt läuft

Nach Vietnam sind wir zu Roamify gewechselt und dabei geblieben. Beim letzten Flug von Hanoi nach Indonesien sah das so aus: Wir saßen schon im Flieger auf dem Rollfeld in Hanoi, haben die eSIM heruntergeladen — einfach den QR-Code scannen —, in den Einstellungen aktiviert und umbenannt, damit man sie wiederfindet. Fertig. Gelandet in Indonesien, Flugmodus aus, Netz war da.

Kein Suchen in Untermenüs, kein Rätselraten. Das ist der Unterschied, um den es mir geht. Wenn man wie wir alle paar Wochen das Land wechselt, zählt genau das mehr als ein Euro Unterschied im Tarif.

Funktioniert dein Handy überhaupt mit eSIM?

Das ist die Frage, die du zuerst klären solltest, weil alles andere davon abhängt. Zwei schnelle Wege:

  • Wähle *#06# auf deinem Handy. Erscheint dort neben IMEI auch eine EID, kann das Gerät eSIM.
  • Oder schau in den Einstellungen: iPhone unter „Mobilfunk", Android unter „Verbindungen" bzw. „Netzwerk & Internet" — wenn es dort eine Option gibt, eine eSIM oder einen Mobilfunktarif hinzuzufügen, bist du dabei.

Wichtig ist außerdem, dass das Gerät nicht SIM-Lock-gesperrt ist. Bei Handys, die über einen Vertrag gekauft wurden, lohnt der Blick vor der Reise, nicht am Gate.

Die Reihenfolge, auf die es ankommt

1. Kaufen und installieren

QR-Code oder Installationslink aus der Bestätigungsmail öffnen, eSIM aufs Handy laden. Das braucht stabiles WLAN und ein paar Minuten.

2. In den Einstellungen aktivieren und benennen

Die eSIM taucht danach als zweite Leitung auf. Aktivieren, und gib ihr einen Namen, den du wiedererkennst — „Indonesien" ist hilfreicher als „Mobilfunk 2", wenn du drei eSIMs auf dem Handy hast.

3. Die richtige Leitung für Daten wählen

Stell ein, dass die eSIM für mobile Daten zuständig ist und die deutsche SIM für Anrufe und SMS. Schalte für die deutsche Leitung das Datenroaming aus, sonst surfst du versehentlich über den teuren Weg. Für die eSIM dagegen muss Datenroaming oft an sein — das klingt falsch, ist bei Reise-eSIMs aber normal, weil sie technisch über ein Partnernetz laufen.

4. Nach der Landung

Flugmodus aus, fertig. Der Tarif startet bei den meisten Anbietern automatisch, sobald du im Zielland ankommst. (Anbieter ändern solche Regeln gelegentlich; vor der Reise kurz in der Bestätigungsmail gegenlesen.)

Wenn trotzdem nichts geht

  • Flugmodus einmal an und wieder aus.
  • Prüfen, ob die eSIM-Leitung aktiviert und als Datenleitung ausgewählt ist.
  • Datenroaming für die eSIM einschalten.
  • Netz manuell suchen lassen, statt auf die automatische Auswahl zu warten.

Und der ehrlichste Tipp: Geh diese Liste einmal zu Hause durch, während nichts davon dringend ist.

Wie viel Datenvolumen brauchst du?

20 GB für 30 Tage waren für uns ausreichend, aber wir haben abends im Homestay über WLAN gestreamt und die mobilen Daten vor allem für Karten, Grab, Nachrichten und Recherche unterwegs genutzt.

Anders sieht es aus, wenn du unterwegs arbeitest, Videocalls machst oder den Laptop übers Handy mitversorgst. Tethering geht bei Reise-eSIMs meist, frisst das Volumen aber schnell. Plane dann großzügiger — nachbuchen ist möglich, aber lästig, wenn das Volumen mitten in einer Busfahrt leer ist.

Deine deutsche Nummer behältst du trotzdem

Der Punkt, der die meisten unsicher macht: Die eSIM ersetzt deine deutsche Nummer nicht. Die physische SIM bleibt im Handy, deine Nummer bleibt erreichbar für SMS und Anrufe, WhatsApp läuft weiter über die alte Nummer. Nur die Daten kommen über die eSIM.

Wichtig für alles, was per SMS bestätigt wird — Banking-TAN, Zwei-Faktor-Codes, Behördenkram. Das funktioniert weiter, solange die deutsche Leitung aktiv ist. Was dabei an Roamingkosten für eingehende SMS anfällt, hängt vom Tarif ab und gehört vor der Abreise beim eigenen Anbieter geklärt.

Werbung. Die folgenden Links sind Affiliate-Links. Wenn du darüber buchst, kann ich dafür eine Vergütung bekommen. Ich verlinke nur, was wir selbst nutzen.

Was wir heute nutzen

Für eSIMs: Roamify. Nicht, weil ich alle Anbieter durchgetestet hätte — habe ich nicht. Sondern weil es bei uns seit dem Wechsel jedes Mal auf Anhieb funktioniert hat, und weil das nach der Nummer in Vietnam das Einzige ist, was mich an einer eSIM noch interessiert.

Den ersten Anbieter verlinke ich bewusst nicht. Bei uns hat er im entscheidenden Moment nicht funktioniert, und dann empfehle ich ihn auch nicht weiter.

Warum bei uns zusätzlich immer ein VPN läuft

Das gehört für mich zum selben Thema, auch wenn es nicht die eSIM betrifft: Bei uns ist das VPN dauerhaft an. Wir nutzen NordVPN, und zwar nicht situativ, sondern durchgehend.

Der Grund ist banal: Unterwegs hängt man ständig in fremden WLANs — Homestay, Café, Flughafen, Coworking. Bei denen weiß man nie, wer sonst noch mit drinhängt. Dazu kommt, dass manche deutschen Seiten und Dienste aus dem Ausland anders reagieren als von zu Hause. Mit VPN ist das schlicht kein Thema mehr, über das ich nachdenken muss.

Wenn du sowieso eine eSIM einrichtest, ist das der Moment, das gleich mitzuerledigen.

Häufige Fragen

Brauche ich für die eSIM in Vietnam meinen Reisepass?

Für die Reise-eSIM nicht — du kaufst sie online, bevor du losfliegst. Für eine lokale vietnamesische SIM-Karte wird dagegen üblicherweise der Pass zur Registrierung verlangt. Die Regeln dafür können sich ändern; vor der Reise aktuell prüfen.

eSIM oder doch lieber eine SIM-Karte vor Ort?

Eine lokale SIM von Viettel oder Vinaphone ist meist günstiger, besonders in den Läden in der Stadt statt am Flughafen. Dafür musst du erst durch die Ankunftshalle, den Schalter finden, den Pass vorzeigen und registrieren lassen — und bist bis dahin offline. Für uns als Familie war das nie die Option. Wer allein reist, Zeit hat und aufs Budget schaut, kann die lokale SIM in Ruhe am nächsten Tag holen, sollte aber einen Plan haben, wie er ohne Internet vom Flughafen wegkommt.

Kann ich die eSIM schon vor dem Abflug installieren?

Ja, und genau das solltest du tun. Installieren heißt noch nicht, dass der Tarif läuft — der startet in der Regel erst, wenn du im Zielland ankommst.

Funktioniert die eSIM auch auf einem zweiten Gerät?

Die eSIM selbst nicht, die hängt an einem Gerät. Aber du kannst dein Handy als Hotspot nutzen und Laptop oder Tablet darüber mitversorgen. Das geht vom Datenvolumen ab.

Brauche ich unterwegs ein VPN?

Brauchen ist zu viel gesagt — aber bei uns läuft es dauerhaft mit, weil man unterwegs praktisch nur in fremden WLANs ist. Wenn du es ohnehin vorhast: vor dem Abflug einrichten, nicht danach.

Was wir sonst noch vor dem Abflug klären

Die eSIM ist Teil einer kurzen Liste von Dingen, die wir grundsätzlich zu Hause erledigen, weil sie unterwegs deutlich mühsamer werden:

Die Kurzfassung: eSIM zu Hause kaufen, installieren, aktivieren und einmal kontrollieren, ob sie als Datenleitung eingestellt ist. Roaming der deutschen SIM aus. VPN einrichten. Grab-App laden. Powerbank ins Handgepäck. Dann ist die Ankunft das, was sie sein sollte: Gepäck holen, Grab rufen, ins Hotel.

Zu Roamify (Werbung / Affiliate-Link)

Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.

Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.

Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.