Am 1. Juni kam eine Nachricht, über die wir uns eigentlich hätten freuen sollen: Die Kaufpreisfälligkeit war früher da als erwartet. Wir dachten: mega. Dann können wir die Bank noch vor unserem Abflug begleichen und sparen uns Zinsen.
Und dann hat sich innerhalb kürzester Zeit alles gedreht.
Die Käufer erklärten plötzlich, sie könnten erst zahlen, wenn das Haus komplett geräumt ist – was logischerweise erst am Tag unseres Abflugs der Fall sein würde. Das war zu keinem Zeitpunkt so besprochen. Ja, im Notarvertrag stand eine entsprechende Formulierung. Aber wir hatten uns mündlich anders geeinigt. Und genau diese Absprache hatte für uns gegolten – nicht der Paragraf im Kleingedruckten.
Was mich daran besonders geärgert hat: Wäre es andersherum gewesen, hätten wir die Käufer selbstverständlich früher einziehen lassen, auch ohne vollständige Zahlung. Wir dachten, das ist eine Frage von gegenseitigem Vertrauen, nicht von juristischer Auslegung.
Die Käuferin sagte, sie habe das Geld bei der Bank für den 16. Juni angewiesen – wohl wissend, dass eine Überweisung dieser Größenordnung noch zwei bis drei Tage zusätzlich braucht. Wir haben dann wenigstens auf die vereinbarten 100.000 Euro aus der Notarklausel gepocht, fällig zum 12. Juni. Antwort: Die Klausel greife nur, wenn der Kaufpreis zu dem Zeitpunkt noch nicht fällig sei. War er aber – zumindest nach ihrer Lesart.
Wir standen genau in der Situation, die ich beim Notar unbedingt hatte vermeiden wollen. Mit zwei kleinen Kindern, kurz vor dem Abflug in ein anderes Land, ohne die Sicherheit, auf die wir uns eigentlich verlassen hatten. Und alle Beteiligten – bei denen wir dachten, sie stünden zu ihrem Wort – hoben plötzlich die Hände.
Wir haben zusätzlich versucht, einen Termin für die vereinbarte Vorab-Besichtigung festzumachen. Ohne Erfolg. Die Käuferseite reagierte auf keinen unserer Vorschläge – dafür gab es Zeit für Friseurtermine und Grillpartys. Wir hatten Wochenendtermine angeboten und Vormittage unter der Woche, weil die Käuferin sonst eigentlich immer spontan Zeit hatte, mal eben vorbeizukommen. Trotzdem kam der Vorwurf, wir würden Besichtigungen blockieren, weil unsere Kinder tagsüber zuhause sind. Als ob zwei Kinder im Haus ein Grund wären, gar nicht erst zu zeigen.
Sauer und enttäuscht – so würde ich diese Tage im Juni am ehesten beschreiben. Nicht wegen einer einzelnen Sache. Sondern weil sich zum ersten Mal in diesem ganzen Prozess das Gefühl von Fairness verabschiedet hat.
Beliebte Beiträge
Alle Termine, die noch sein mussten
Von Jenny am 29.06.2026
Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.
Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.
Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.