Eigentlich wollte ich das anders machen. Erst mit der Leitung reden, unter vier Augen, in Ruhe, bevor irgendwas die Runde macht. Hab sie an dem Tag aber einfach nicht erwischt, war grad nicht da, kein Termin frei. Also holte ich meine Tochter ab wie jeden Tag, Tasche über der Schulter, Kopf schon bei zehn anderen Dingen – und da stand schon die Erzieherin und sagte: Na, das mit dem Kindergarten im September wird schon, da mach ich mir überhaupt keine Sorgen um die Kleine.
Ich stand da mit der Kindergartentasche in der Hand und dachte nur: jetzt oder nie. Also hab ich's erzählt, einfach so, zwischen Tür und Angel. Dass unsere Kinder im September gar nicht mehr in einen deutschen Kindergarten kommen, sondern nach Thailand. Die Erzieherin hat ziemlich groß geguckt. Ich glaub, damit hatte sie nicht gerechnet, und ich muss zugeben, ich hätte mir den Moment auch anders vorgestellt – geplanter, ruhiger, nicht als Reaktion auf einen Small-Talk-Satz.
Danach ging alles seinen Lauf, wie das so ist, wenn eine Neuigkeit erstmal draußen ist. Mit den beiden Gruppenleitungen haben wir einen Termin ausgemacht, den 11. Juni, für jede Gruppe eine eigene Abschiedsfeier.
Zwei Bleche, ein Anruf, ein Rezept
Und dann haben wir gebacken und geschnippelt, als gäbe es kein Morgen. Für die Gruppe meines Sohnes zwei volle Bleche, für die meiner Tochter eins – seine Gruppe hat zwanzig Kinder, ihre nur die Hälfte. Aufgebackene Laugenbrötchen, Salzbrezeln, Käsewürfel, kleine Mozzarellakugeln. Dazu Rohkost satt: Gurkenscheiben, Tomaten, Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, alles in kleine Schälchen sortiert, damit's auch für Zweijährige greifbar bleibt und keiner sich an einer ganzen Tomate abarbeitet. Für meine Tochter hab ich einen Schokoladenkuchen gebacken, ohne Industriezucker, für meinen Sohn ein Bananenbrot, auch ohne. Ich back sowieso am liebsten so, aber bei sowas ist mir's noch mal wichtiger – die Kinder sollen ordentliches Essen mitnehmen aus diesem letzten gemeinsamen Nachmittag, keinen Zuckerschock, an den sich hinterher keiner erinnert außer an das Bauchweh danach.
Am Tag der Feier klingelte mein Handy, Kita-Nummer auf dem Display. Mein Puls ging sofort hoch – so ein Anruf bedeutet meistens nichts Gutes, Fieber, ein Sturz, komm sofort vorbei.
War aber die Gruppenleitung meiner Tochter, und die wollte nur eins: das Rezept vom Schokokuchen. Der sei der Hammer gewesen. Ich stand da mit dem Telefon am Ohr, erst erleichtert, dann musste ich einfach nur grinsen. So eine kleine Sache, ein Rezept für einen Kuchen, aber sie hat mir ehrlich mehr bedeutet, als ich zugeben will.
Mein Sohn hat obendrauf noch ein Abschiedsbüchlein bekommen. Jedes Kind aus seiner Gruppe hat ihm ein Bild gemalt, dazu ein paar Zeilen, was Liebes, teils in Kinderschrift, teils von den Erzieherinnen aufgeschrieben, weil die Kleinen selbst noch nicht schreiben können. Sowas wirft man nicht weg. Das kommt in eine Kiste, die wir überallhin mitnehmen, egal wie viel Gepäck wir sonst reduzieren mussten.
War, unterm Strich, ein richtig schöner Abschied. Ich hatte mit mehr Wehmut gerechnet, mit mehr eigenem Ziehen im Bauch, direkt an dem Tag. Kam auch, aber später, in ruhigeren Momenten. An dem Tag selbst war einfach nur: Bleche leer, Kuchen weg, Kinder glücklich. Und ich erschöpft, aber richtig zufrieden.
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Von Jenny am 29.06.2026
Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.
Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.
Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.