Unsere Abschiedsfeier

Unsere Abschiedsfeier

Der Spielplatz neben unserem Haus hat schon so viel gesehen – Geburtstage, spontane Nachmittage, Streit um die Schaukel, die üblichen Dramen. Am 14. Juni kam noch was dazu: unser Abschied aus Deutschland.

Wir hätten das auch bei uns drin machen können, aber ehrlich, wofür gibt's den Spielplatz direkt vor der Tür, wenn nicht für sowas. Eingeladen war, wer uns wirklich was bedeutet – Familie, Freunde, ein paar Leute aus der Kita, mit denen mehr lief als nur Hallo beim Abholen morgens. Viele waren leider im Urlaub, typisch Juni, deswegen wurde die Feier kleiner, als ich sie mir eigentlich vorgestellt hatte. Fand ich im Nachhinein aber fast besser so. Kleiner heißt konzentrierter, weniger Small Talk mit Leuten, die man kaum kennt, mehr echte Gespräche mit denen, die zählen.

Um vierzehn Uhr ging's los. Meine Schwiegereltern hatten sich richtig reingehängt, mehr als ich erwartet hatte, ehrlich gesagt mehr, als ich mir zu wünschen getraut hätte. Wir durften die Biertischgarnituren vom Siedlungsfest am Tag davor noch mal benutzen, die standen praktischerweise schon bei uns rum, keiner musste sie extra abholen. Jeder hat was mitgebracht, Kuchen, Salate, irgendwelche Snacks, alles landete auf einem großen Tisch, der ziemlich schnell aus allen Nähten platzte, so wie's bei solchen Feiern eben immer ist.

Blumenketten, Fotobox, Luftballons

Meine Schwiegermutter hatte Blumenketten besorgt und Blumen fürs Haar, für die Mädels natürlich. Dazu eine Fotobox, extra organisiert, damit wirklich jeder mal davor stand und wir am Ende Bilder haben, die wir uns in ein paar Jahren noch angucken können, wenn die Erinnerung schon verschwommen ist. Extra Musik, damit auf dem Spielplatz auch was lief und nicht nur Kindergeschrei zu hören war. Und Luftballons, ganz viele, die wir zum Schluss alle zusammen haben steigen lassen – dieser Moment, wo alle den Kopf in den Nacken legen und den Punkten am Himmel hinterherschauen, bis man sie nicht mehr sieht und irgendwer als Erster wieder anfängt zu reden.

Es sind Tränen geflossen, klar. Bei sowas ist das nicht zu vermeiden, und ich will das auch gar nicht schönreden oder wegdiskutieren. Aber es waren auch viele gute Gespräche dabei, viel Lachen, viele „Wir kommen euch besuchen", die ich mir alle gemerkt habe, jeden einzelnen Satz. Ob's stimmt, weiß ich nicht. Kann ich auch nicht wissen. Aber ich freu mich drauf, es rauszufinden, und ich hoffe, dass wenigstens die Hälfte davon tatsächlich passiert.

Am Abend, als die meisten Gäste schon weg waren, blieb nur noch die engste Familie übrig. Wir haben Pizza geholt, ganz unspektakulär, keine große Sache, und zusammen gegessen, auf dem Rasen, auf Decken, wo grad Platz war. Keine große Rede mehr, kein Programm, keine Ansprache. Nur noch Essen, ein bisschen Reden, und dann ist nach und nach jeder aufgestanden und nach Hause gegangen. Kein lauter Schlusspunkt, keine große Geste zum Abschluss. Eher ein leises Ausklingen, nach einem Tag, der ziemlich viel Kraft gekostet hat – im guten Sinne, aber trotzdem Kraft.

Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.

Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.

Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.