Zwölf Stunden, zwei Kinder, ein Flugzeug. Auf dem Papier klang das nach Katastrophe. War es nicht.
München nach Ho Chi Minh, weiter nach Phu Quoc, mit Vietnam Airlines. Abflug 12:15 Uhr mittags, Landung morgens um sieben Uhr Ortszeit – die sind fünf Stunden voraus, ein Detail, das man beim Kopfrechnen unterwegs schnell vergisst. Ein Tagflug, kein Nachtflug. Im Rückblick war genau das die beste Entscheidung des ganzen Trips, ohne dass wir sie damals bewusst so getroffen hätten.
Das ist die eine Frage, die du vor der Buchung beantworten musst. Alles andere – Handgepäck, Snacks, Beschäftigung – lässt sich später noch regeln. Die Abflugzeit nicht.
Wir kennen die Alternative leider aus Erfahrung. Bei unserem Flug nach Thailand hatten wir genau das Szenario, das auf dem Papier so logisch klingt: Abflug spät abends, Kinder schlafen ja sowieso.
Nur schlafen sie eben nicht. Bei so späten Abflügen ist meist noch mindestens eine Stunde, oft länger, das Licht an, volles Kabinenprogramm, alles in Bewegung – genau die Zeit, in der Kinder eigentlich schon schlafen sollten, verbringen sie stattdessen hellwach und überreizt im engen Sitz. Bei uns haben sie am Ende nur noch geschrien, weil sich alles ewig zog und der Schlaf nicht kommen wollte. Unangenehm, für alle im Umkreis von drei Sitzreihen vermutlich auch.
Die ersten Stunden liefen einfach: wach sein, spielen, essen, das normale Flugzeug-Programm. Ans Schlafen war um zwölf Uhr mittags ohnehin nicht zu denken – kein Kind der Welt schläft freiwillig zur Mittagszeit.
Erst später am Flug, als es Richtung Abend ging, haben wir versucht, die beiden zum Schlafen zu bringen. Zäh. Aufstehen, Sitzenbleiben, wieder Aufstehen. Ich hatte mich schon auf Dauerbespaßung für den Rest des Flugs eingestellt. Dann, irgendwann, kippten sie doch um. Nicht geplant, nicht auf Kommando, einfach weil der Körper irgendwann nicht mehr anders kann.
Sie haben spät geschlafen, aber richtig. Und der Jetlag danach war absolut im Rahmen. Kein Vergleich zum Nachtflug-Chaos.
Schaut euch die Abflugzeit an und rechnet ehrlich durch, was in den ersten zwei Stunden nach dem Boarding passiert. Fällt das mitten in die Einschlafzeit eurer Kinder, aber mit Licht, Essen und Trubel drumherum? Dann ist der Flug schlechter, als er auf dem Papier aussieht.
Ein Tagflug bedeutet: die Kinder sind erst mal wach und beschäftigt, und wenn die Müdigkeit kommt, ist es im Flieger schon ruhig. Genau die Reihenfolge, die ihr wollt.
Wie wir überhaupt an unsere Flüge kommen und worauf ich bei der Buchung achte, habe ich hier aufgeschrieben.
Aufkleberbögen, kleine Spielsachen, genug, um die Kinder über mehrere Etappen hinweg zu beschäftigen. Wichtig ist das in Etappen: nicht alles gleich zu Beginn auf den Tisch, sondern immer wieder was Neues rausholen. Von der Fluggesellschaft gab es zusätzlich etwas zum Aussuchen – kleine Geste, aber bei müden Kindern wirkt sowas manchmal Wunder.
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Durchdachte Reiseausrüstung im eigentlichen Sinn hatten wir gar nicht. Kein Spezialkissen, kein System, einfach das, was sowieso zuhause war, in eine Tasche gepackt. Vielleicht hätte uns das eine oder andere Extra das Leben leichter gemacht – genau da würde ich beim nächsten Mal genauer hinschauen.
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Das steht auf meiner Liste für den nächsten Langstreckenflug:
Kinderkopfhörer mit Kabel und 85-dB-Begrenzung – wichtig ist das Kabel: Der Bildschirm im Vordersitz hat eine Klinkenbuchse, Bluetooth bringt dir da nichts.
Wassermalbuch – malen, trocknen lassen, von vorne anfangen. Kein Stift, der zwischen die Sitze fällt.
Wiederverwendbare Stickerbücher – Aufkleber waren bei uns das, was am längsten getragen hat. Wiederverwendbar heißt: geht auch auf dem Rückflug noch.
Reisekissen für Kinder – genau das Teil, von dem ich oben schreibe, dass wir es nicht dabeihatten.
Auslaufsichere Trinkflasche, 350 ml – nach der Sicherheitskontrolle auffüllen, dann musst du nicht auf den Getränkewagen warten.
Ich habe keins davon auf diesem Flug getestet. Das ist meine Liste fürs nächste Mal, kein Erfahrungsbericht.
Relativ weit hinten, in einem Flieger mit drei Sitzblöcken. Drei von uns in der Mittelreihe, einer allein am Gang. Ging, war aber nicht das, was wir wollten – am Fenster wäre schöner gewesen, gerade für die Kinder. Also: wenn ihr die Wahl habt, bucht die Sitzplätze früh und nehmt Fenster. Bei der Mittelreihe im Großraumflieger sitzt fast immer einer von euch abgetrennt.
Das war die Sorge, die sich bei uns nicht bestätigt hat. Die Kinder hatten kaum Probleme. Mein Sohn ein bisschen – ich habe ihn dann einfach trinken lassen, das hat gereicht. Mehr war nicht nötig.
Heißt nicht, dass es bei euch genauso läuft. Aber es ist auch nicht automatisch das Drama, als das es oft beschrieben wird.
Ein Kindermenü gab es bei Vietnam Airlines nicht, jedenfalls war keins dabei. Es gab vietnamesisches Essen, einmal warm und später noch ein Bánh mì. War okay. Aber seien wir ehrlich: Flugzeugessen mag doch niemand so richtig.
Wenn eure Kinder wählerisch sind, nehmt eigene Snacks mit. Verlasst euch nicht darauf, dass an Bord etwas dabei ist, was sie mögen.
Nicht der Flug. Der Umstieg.
Wir mussten vom internationalen zum Domestic Terminal, und zwar zu Fuß. Vorher das komplette Gepäck abholen und dort neu aufgeben – nichts wurde durchgecheckt. Der Check-in am Inlandsflug lief sehr sporadisch, und dann hat man uns auch noch falsch geschickt. Ergebnis: einmal quer durch den ganzen Flughafen, mit dem Bus gefahren, alles mit zwei müden Kindern und dem gesamten Gepäck.
Am Ende stellte sich heraus, dass der eigentliche Weg fünf Minuten gedauert hätte.
Wir hatten wirklich Angst, den Anschlussflug zu verpassen. Das war der Moment, in dem der Tag gekippt ist – nicht die zwölf Stunden davor.
Was ich daraus mitnehme: plant beim Umstieg in Ho Chi Minh großzügig Zeit ein, rechnet damit, dass ihr das Gepäck neu aufgeben müsst, und fragt lieber zweimal nach dem Weg. Am besten bei jemandem in Uniform, nicht bei der erstbesten Person, die freundlich in eine Richtung zeigt.
Hinweis: Wie der Umstieg heute abläuft, kann sich geändert haben – das war unser Stand im Sommer 2026.
Fünf Stunden Zeitverschiebung, Landung um sieben Uhr morgens. Und dann: fast kein Jetlag. Ehrlich, wir hatten mit deutlich mehr gerechnet. Die Kinder haben sich in ein, zwei Tagen eingependelt, ohne dass wir irgendetwas Besonderes gemacht hätten.
Was mich in den ersten Tagen mehr beschäftigt hat als der Jetlag: unser Homestay war nicht der Hammer. Nach so einem Reisetag merkst du sehr schnell, ob die erste Unterkunft passt oder nicht. Bucht für die erste Nacht lieber etwas, bei dem ihr euch sicher seid.
Zwei Dinge kläre ich deshalb inzwischen immer vor dem Abflug. Erstens: Internet fürs Handy. Nach zwölf Stunden mit Kindern willst du am Flughafen nicht auch noch nach einer SIM-Karte suchen – warum wir das von zu Hause aus erledigen, steht hier. Zweitens: wie wir vom Flughafen und danach überhaupt von A nach B kommen.
Schaut nicht nur auf Preis oder Flugzeit, sondern darauf, wie ein Flug in den Tagesrhythmus eurer Kinder passt. Ein Abflug, der mitten in die eigentliche Schlafenszeit fällt, aber davor noch Trubel und Licht bringt, ist meistens die schlechtere Wahl als ein Tagflug, bei dem Kinder irgendwann von selbst wegkippen.
Ist nicht immer möglich, klar. Aber wenn ihr die Wahl habt: nehmt den Flug, der zur Müdigkeit eurer Kinder passt, nicht den, der auf dem Papier praktischer klingt.
Zwölf Stunden mit Kindern sind machbar. Sogar richtig gut machbar.
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Von Jenny am 29.06.2026
Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.
Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.
Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.