Irgendwann haben wir aufgehört zu warten.
Der Makler war noch da, offiziell zuständig, aber es tat sich nichts. Keine neuen Interessenten, keine Bewegung, keine Erklärung, woran es lag. Und wir hatten keine Lust mehr, das einfach hinzunehmen. Also haben wir selbst eine Meta-Anzeige geschaltet. Für unser eigenes Haus, das eigentlich schon in fremden Händen liegen sollte.
Es fühlte sich seltsam an. Der Makler hätte seine Provision erst bekommen, wenn das Haus tatsächlich verkauft ist – theoretisch also derselbe Anreiz wie unserer. Und trotzdem haben wir parallel unsere eigene Werbung geschaltet, weil wir nicht mehr darauf vertrauen wollten, dass er es hinbekommt. Aber irgendwann ist einem die Logik egal, wenn nichts passiert. Man macht, was funktioniert.
Und es hat funktioniert. Zumindest insofern, dass wieder Anfragen kamen. Menschen, die tatsächlich Interesse hatten, die Termine wollten. Also haben wir auch das übernommen: die Führungen selbst gemacht. Fremde Leute durch unser Haus geführt, durch die Zimmer, in denen unsere Kinder gerade groß werden – sie sind zwei und drei, mitten drin also –, durch die Küche, in der wir tausend Abendessen gekocht haben. Erklärt, warum das Licht im Bad so ist, wie es ist. Fragen beantwortet, die eigentlich der Makler hätte beantworten sollen.
Es war anstrengend, keine Frage. Aber auch: irgendwie befreiend. Wir hatten wenigstens das Gefühl, dass jetzt etwas in unserer Kontrolle liegt. Kein Warten mehr auf eine Rückmeldung, die vielleicht kommt oder auch nicht. Wir haben Termine selbst vereinbart, selbst nachgefasst, selbst entschieden, welche Anfragen ernst gemeint waren und welche nicht.
Die Ad haben wir zwischendurch pausiert, dann wieder aktiviert, je nachdem, wie viel Kapazität wir gerade hatten. Ein Haus verkaufen neben Job, Kindern und der Vorbereitung eines Auslandsumzugs ist kein Vollzeitjob, den man sich aussuchen kann. Es ist einer, der einfach dazukommt.
Was ich aus dieser Phase mitnehme: Wenn man merkt, dass jemand anderes den Job nicht macht, für den man ihn bezahlt, ist Selbermachen manchmal die einzige Option, die sich richtig anfühlt. Nicht, weil es Spaß macht. Sondern weil das Alternativgefühl – einfach abwarten – schlimmer ist.
Rückblickend war das auch der Moment, in dem wir gemerkt haben, dass wir uns von diesem Makler irgendwann trennen würden. Es hat nur noch ein paar Monate gedauert, bis wir es tatsächlich getan haben.
Beliebte Beiträge
Alle Termine, die noch sein mussten
Von Jenny am 29.06.2026
Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.
Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.
Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.