Wie ein Haus leer wird

Wie ein Haus leer wird

Andere Leute merken am Kalender, dass der Umzug näherkommt. Ich hab's an der Couch gemerkt.

Sie war einfach weg, eines Tages. Kein Drama, ein Klick bei Kleinanzeigen, ein Fremder hat sie abgeholt, fertig. Wir hatten ja noch eine zweite, die haben wir ins Wohnzimmer geschoben und dachten, damit ist das Thema erledigt. War es nicht. Ein paar Wochen später war auch die weg. Also haben wir uns aus Kissen und einer alten Matratze etwas zusammengebaut, das man beim besten Willen keine Couch nennen konnte. Unbequem, wackelig, aber sie hat gehalten. Und ehrlich, mehr wollten wir zu dem Zeitpunkt auch gar nicht mehr investieren – in ein Möbelstück, das eh in zwei Wochen wieder verschwindet.

Dann der Fernseher. Ich dachte, das würde uns mehr treffen, als es dann tatsächlich der Fall war. Netflix gab's danach vom Laptop aus, notdürftig auf den Küchentisch gestellt, und ehrlich gesagt: kein großer Verlust. Wir schauen abends sowieso nur eine Stunde, meistens schlafen wir vorher ein. Aber es war trotzdem so ein Moment, in dem man kurz stehen bleibt und denkt: ah, jetzt ist auch das weg. Diese kleinen Wegmarken, die einem zeigen, wie weit man schon ist, ohne dass man's aktiv vorhatte.

So ging das über Wochen. Jede Woche ein bisschen weniger Möbel, jeder Raum ein bisschen leerer, und die Räume fingen an, komisch zu echoen, wenn man durchlief. Ich fand das seltsam, keine Frage. Aber überraschenderweise nicht nur schlecht. Es hat sich fast wie Fortschritt angefühlt, dieses Leerwerden – als würde man dem Ziel beim Zusehen näherkommen, statt nur drauf zuzuarbeiten.

Der Plan hinter dem Chaos

Wir hatten uns nämlich ein festes Datum gesetzt: den 7. Juni, Hausflohmarkt. Alles, was bis dahin nicht verkauft war, sollte an dem Tag raus. Das hat uns gezwungen, systematisch vorzugehen, auch bei Sachen, bei denen man's nicht sofort erwarten würde. Lampen zum Beispiel. Wer nimmt schon die Deckenlampe ab, bevor er auszieht, und sitzt dann abends im Halbdunkel unter einer nackten Fassung? Wir. Weil wir wussten: wenn wir sie nicht jetzt abmachen und verkaufen, schmeißen wir sie später einfach weg, und das wollten wir nicht.

Für alles, wo uns klar war, dass wir eh kein Geld mehr dafür kriegen – kaputte Regale, Kabelsalat, der Krimskrams, der sich über Jahre in jeder Schublade ansammelt, ohne dass man merkt, wie er dahin kam – gab's nur noch eine Adresse: den Wertstoffhof. Kein Verkaufsversuch mehr, kein Verhandeln, kein Foto machen und auf Kleinanzeigen hochladen. Einfach rein ins Auto, hin, abladen, weg damit. Diese Konsequenz hat uns am Ende wahrscheinlich am meisten Zeit gespart.

So hat sich das Haus Stück für Stück geleert, und im Rückblick war das gar nicht so chaotisch, wie es sich mittendrin angefühlt hat. Wir hatten einen Plan, und – was bei uns nicht selbstverständlich ist – wir haben ihn auch ziemlich diszipliniert durchgezogen. Kein "das machen wir dann irgendwann noch", sondern feste Zwischenziele, an denen wir uns entlanggehangelt haben.

Am Ende stand ein Haus da, das kaum noch nach unserem aussah. Leere Wände, leere Ecken, Abdrücke im Teppich, wo mal ein Schrank gestanden hatte. Und genau darauf hatten wir ja hingearbeitet – trotzdem fühlt sich sowas komisch an, wenn man's dann tatsächlich vor sich sieht. Ein Haus, in dem man noch wohnt, das aber schon nicht mehr einem gehört, so wie's mal war.

Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.

Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.

Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.