Unsere PV-Anlage auf dem Dach war nie richtig fertig angemeldet. Grund: ein Rechtsstreit mit der Firma, die sie eingebaut hatte – sie haben die Arbeit nie sauber abgeschlossen. Unser Kenntnisstand war überschaubar: Der Zähler muss getauscht und bei den Stadtwerken angemeldet werden. Kosten: geschätzt 500 bis 1.000 Euro. Schnell erledigt, dachten wir.
Am 23. April hatten wir dazu einen Elektriker im Haus. Er bestätigte ungefähr das, was wir erwartet hatten – hier ein bisschen, da ein bisschen, nichts Dramatisches. Er wollte sich direkt bei den Stadtwerken erkundigen und uns ein Angebot schicken.
Dann passierte: nichts. Wochenlang. Wir mussten immer wieder nachfragen, bekamen ausweichende Antworten, und erst am 15. Juni – fast zwei Monate später – lag endlich ein Angebot vor. Er hatte in der Zwischenzeit wiederholt betont, wie schwierig der Kontakt zu den Käufern sei. Das hat uns gewundert, denn die Käufer hatten in allen anderen Angelegenheiten eigentlich immer sehr schnell reagiert.
Als das Angebot dann kam, waren die Käufer in Kopie gesetzt. Und die Summe: 15.000, eventuell sogar bis zu 25.000 Euro. Wir sind aus allen Wolken gefallen.
Die Käufer haben die Sache maximal aufgebauscht. Drohungen mit Rücktritt vom Kaufvertrag, mit einer Strafanzeige wegen Arglist. Der Elektriker sprach plötzlich von einer Gefahr für Leib und Leben – aus "hier ein bisschen, da ein bisschen" war binnen weniger Wochen ein angebliches Sicherheitsrisiko geworden. Es fühlte sich absurd an, wie sich die Geschichte in Windeseile verändert hatte.
Die Käufer wollten daraufhin 25.000 Euro vom Kaufpreis einbehalten. Dem haben wir nicht zugestimmt. Was wir gemacht haben: den Elektriker beauftragt und zugesichert, die Kosten zu übernehmen. Wir hatten schlicht keine andere Wahl in dem Moment – zu viel stand auf dem Spiel, zu wenig wussten wir wirklich über den Zustand der Anlage.
Im Rückblick war das der Moment, in dem sich zum ersten Mal der Verdacht festgesetzt hat, dass hier nicht alles nur Zufall ist. Ein Elektriker, der plötzlich mit den Käufern in Kontakt steht, dessen Angebot sich innerhalb weniger Wochen verzwanzigfacht, während er gleichzeitig eine "Gefahr für Leib und Leben" heraufbeschwört – das fühlte sich nicht nach technischer Einschätzung an. Das fühlte sich nach Druckaufbau an.
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Von Jenny am 29.06.2026
Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.
Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.
Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.