Der Notartermin

Der Notartermin

Ich hatte mir einen halben Tag frei genommen. Wir sind nach München reingefahren, aufgeregt, wie man es bei so einem Termin wohl ist – einem Termin, der einen ganzen Verkaufsprozess offiziell besiegelt.

Und dann kam ein Problem auf den Tisch, mit dem wir nicht gerechnet hatten: die Kaufpreisfälligkeit. Der Kaufpreis wird normalerweise erst fällig, wenn bestimmte rechtliche Voraussetzungen erfüllt sind – und das dauert zeitlich in der Regel länger, als man denkt. Das hieß in unserem Fall konkret: Die Übergabe würde schon anstehen, während der Kaufpreis noch gar nicht fällig ist.

Für mich war das ein echtes Problem. Wir würden mit zwei kleinen Kindern nach Thailand ziehen. Die Vorstellung, dort anzukommen, ohne dass das Geld aus dem Hausverkauf schon da ist, wollte ich nicht. Also habe ich es angesprochen. Direkt, beim Notar, vor allen Beteiligten.

Wir haben uns auf eine Klausel geeinigt: Falls der Kaufpreis zum Übergabetermin noch nicht fällig sein sollte, bekämen wir vorab einen Teil davon – 100.000 Euro. Für uns fühlte sich das wie eine faire Lösung an. Wir hatten dem Notar unser Problem geschildert, er hatte eine Lösung vorgeschlagen, wir haben zugestimmt.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand von uns ahnte: Genau diese Klausel würde Wochen später zum Kern eines handfesten Streits werden. Im Mai, im Notarbüro, mit allen Unterschriften frisch auf dem Papier, klang das alles nach einer sauberen, durchdachten Absicherung. Ein Sicherheitsnetz für den Fall der Fälle.

Ich erinnere mich an das Gefühl danach: Erleichterung. Der Vertrag stand. Die Kündigung war jetzt kein Risiko mehr. Die Übergabe hatte ein Zieldatum. Alles fühlte sich plötzlich greifbar an, nach Monaten voller Unsicherheit.

Hätte mir damals jemand gesagt, wie kompliziert genau diese eine Klausel noch werden würde – ich hätte es wahrscheinlich nicht geglaubt. An diesem Tag im Mai war sie einfach nur: Vernunft. Ein Plan B, den man hofft, nie zu brauchen.

Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.

Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.

Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.