Der Hausflohmarkt

Der Hausflohmarkt

Mein Mann hat sich da richtig reingehängt, mehr als ich erwartet hatte. Er hat extra ein Banner bestellt, nur für diesen einen Tag, und das ans Haus geschraubt – falls irgendwer vorbeifährt und noch nicht mitbekommen hat, dass hier was los ist. Dazu Facebook-Werbung, zwei Euro am Tag, mehr nicht. Trotzdem hat das zwölftausend Leute erreicht. Zwölftausend, für zwei Euro am Tag – wenn mir das vorher jemand erzählt hätte, hätte ich's nicht geglaubt.

Wir hatten außerdem schon vorher über Kleinanzeigen einiges verkauft, und genau diese Leute haben wir noch mal direkt angeschrieben und zum Flohmarkt eingeladen. Ein paar sind tatsächlich gekommen, was mich ehrlich gesagt überrascht hat – wer fährt schon extra noch mal vorbei, nur um zu stöbern?

Der Tag selbst

Der 7. Juni war dann so weit. Zehn bis sechzehn Uhr sollte der Flohmarkt gehen, sechs Stunden, in denen wir dachten, das reicht locker. Und bis mittags war auch richtig was los. Leute liefen durchs Haus, haben gestöbert, verhandelt, eingepackt, gefragt, ob's noch günstiger geht. Ich stand die ganze Zeit irgendwo zwischen Kaffeekanne und Preisschild und hab mich gefragt, ob wir überhaupt genug Wechselgeld haben.

Und dann, so ab zwölf, war schlagartig Ruhe. Nicht weniger Betrieb – gar keiner mehr. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Ich saß da, mitten in einem Haus voller halb verkaufter Möbel, und hab auf die Uhr geguckt und gedacht: okay, das war's dann wohl mit dem Nachmittag.

Wir haben trotzdem einiges losgeworden, mehr, als ich im Vorfeld erwartet hatte. Aber am Ende stand immer noch ein Berg da, der einfach nicht kleiner werden wollte, egal wie oft wir ihn umgeschichtet haben. Und das war der Moment, in dem mein Mann und ich beschlossen haben: genug ist genug. Wir haben das zusammengepackt, was noch übrig war, und haben es weggeworfen. Radikal, ohne lange zu überlegen, ohne es noch irgendwo online zu stellen oder nach einem Abnehmer zu suchen.

Das war der Teil, der wirklich wehgetan hat. Nicht der Auszug an sich, nicht der Abschied vom Haus – das hier. Dinge, die noch völlig in Ordnung waren, funktionstüchtig, brauchbar, einfach in den Container zu werfen, weil uns die Zeit für alles andere ausgegangen war. Ich hab dabei richtig körperlich gemerkt, wie sehr mir das gegen den Strich geht. Wegwerfen, was noch gut ist – das sitzt bei mir tief, und an dem Tag hab ich's trotzdem gemacht, weil's keine andere Option mehr gab.

Im Rückblick war der Flohmarkt trotzdem ein guter Tag. Nicht wegen des Geldes, das war überschaubar. Sondern weil er uns gezwungen hat, endlich loszulassen – auch von dem Zeug, das wir eigentlich schon lange nicht mehr gebraucht hatten, uns aber nie die Zeit genommen hatten, es wegzugeben.

Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.

Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.

Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.