Der erste Makler

Der erste Makler

Drei Makler waren da, an drei verschiedenen Terminen, alle mit Klemmbrett, alle mit großen Worten. Der eine redete am schnellsten, hatte die meisten Ideen, klang am hungrigsten nach dem Auftrag. Den haben wir genommen. Engagement schlägt Erfahrung, dachten wir uns. Im Nachhinein: naja.

Wir wollten nach Thailand. Vietnam war zu dem Zeitpunkt nur der Urlaub davor – der eigentliche Plan hieß Thailand. Das Haus musste weg, bevor wir konnten. Also: Makler beauftragt, Haken dran, Kopf frei für alles andere. So der Plan.

Ich erinnere mich an das Gefühl direkt danach. Erleichterung, fast Leichtigkeit. Als hätten wir gerade eine der größten Baustellen unseres Umzugs erledigt, nur durch eine Unterschrift. Verkauf läuft jetzt von allein, dachten wir. Wir können uns um Flüge kümmern, um Kündigungen, um Kinder, die keine Ahnung haben, dass ihr Zuhause bald ein anderes Zuhause wird.

Was so ein Makler eigentlich tut, wusste ich vorher nicht genau. Ich dachte: Der organisiert Besichtigungen, filtert Interessenten, kümmert sich um den Papierkram, während wir packen. Die Realität sah anders aus. Es passierte – wenig. Eine Anfrage hier, die im Sand verlief. Eine Besichtigung da, ohne Rückmeldung danach. Kein Momentum, keine Dynamik, kein Gefühl, dass sich etwas bewegt.

Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass aus diesem einen entspannten Satz – „Wir haben jetzt einen Makler" – ein ganzes Jahr werden würde. Ein Jahr mit eigener Meta-Anzeige, mit Führungen, die wir am Ende selbst gemacht haben, mit einem gekündigten Makler und am Schluss mit einem Notar, einem Elektriker und einem Anwalt. Aber davon ahnten wir im April 2025 noch nichts.

Da haben wir einfach unterschrieben, uns die Hand gegeben und gedacht: Das war's dann bald.

Rückblickend ist genau das die Lektion aus diesem ersten Schritt: Ein Vertrag mit einem Makler fühlt sich an wie Kontrolle abgeben. Ist es aber nicht automatisch. Wer engagiert wirkt beim ersten Treffen, muss es nicht bleiben, wenn's ernst wird. Und "ernst wird es" bedeutet nicht "es geht jetzt schnell". Manchmal bedeutet es nur: Jetzt beginnt die lange Version.

Wenn ich heute zurückschaue, ärgere ich mich nicht über die Entscheidung selbst. Drei Optionen, eine Wahl, alles nachvollziehbar. Ich ärgere mich über die Selbstverständlichkeit, mit der wir dachten, damit sei die Sache in guten Händen. Ein Haus zu verkaufen, während man gleichzeitig ein ganzes Leben in ein anderes Land verlegt, ist kein Nebenprojekt. Aber genau so haben wir es damals behandelt – als Punkt auf einer langen Liste, den wir abhaken und dann vergessen können.

Konnten wir nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.

Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.

Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.