Anwalt, Frist, Blackout

Anwalt, Frist, Blackout

Irgendwann, zu unserem Glück, ist der erste Elektriker abgesprungen. Wir hatten sowieso das Gefühl, dass er sich mit den Käufern abgesprochen hatte – zu passend war der zeitliche Ablauf, zu seltsam die Kommunikation.

Am 2. Juli haben wir einen neuen Elektriker beauftragt. Diesmal kam ein Angebot über rund 1.000 Euro heraus. Genau das, was wir von Anfang an erwartet hatten. Kein Sicherheitsrisiko, keine Katastrophe, kein Grund für 25.000 Euro. Nur ein normaler, überschaubarer Aufwand.

Das hätte eigentlich Erleichterung bringen sollen. Hat es auch, ein bisschen. Aber gleichzeitig zeigte es uns schwarz auf weiß, wie sehr wir zuvor unter Druck gesetzt worden waren – mit einer Zahl, die mit der Realität nichts zu tun hatte.

Zeitgleich haben die Käufer einen Anwalt eingeschaltet. Eine Strafanzeige wurde angedroht, Frist gesetzt: 10. Juli. Wir haben für den 7. Juli einen Termin mit unserer eigenen Anwältin vereinbart, um die Lage einzuordnen und uns richtig aufzustellen.

Ich will hier ehrlich sein: Dieser Punkt in der Geschichte fühlt sich nicht nach einem abgeschlossenen Kapitel an. Es ist mitten drin. Aber eines steht für mich schon jetzt fest – wir sind in dieser Sache im Recht. Der neue Elektriker hat das bestätigt, was wir von Anfang an vermutet haben: dass die 25.000 Euro nie eine ernsthafte technische Grundlage hatten.

Was ich aus dieser Phase mitnehme, ist etwas, das mich nachdenklich macht: Wie schnell aus einer sachlichen Meinungsverschiedenheit eine Drohkulisse werden kann, wenn eine Seite entschlossen ist, Druck aufzubauen. Anwaltsbriefe, Fristen, Anzeigen im Raum – das alles klingt bedrohlicher, als es am Ende oft ist. Aber es kostet Nerven. Viele.

Wir sind seit über zwei Wochen in Vietnam, mitten in unserem neuen Alltag – und trotzdem hängt dieses letzte Kapitel des Hausverkaufs noch an uns dran, über tausende Kilometer hinweg. Es geht längst nicht mehr nur ums Haus. Es geht darum, sich nicht einschüchtern zu lassen, wenn man weiß, dass man im Recht ist.

Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.

Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.

Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.