Drei Wochen vor dem Abflug hab ich gemerkt: fertig sind wir noch lange nicht. Wir haben höchstens angefangen. Und plötzlich stand da eine Liste, die aussah, als hätten wir die letzten Monate komplett verschlafen, obwohl ich wusste, dass das nicht stimmte. So fühlt sich das eben an, wenn die Zeit knapp wird.
Ganz oben: die U-Untersuchungen. Bei meiner Tochter fiel natürlich ausgerechnet die eine nicht in den Zeitraum, den die Krankenkasse übernimmt. Typisch. Selbst zahlen, keine Diskussion, keine Ausnahme, kein Kulanzantrag, der irgendwas gebracht hätte. Ich hab einfach bezahlt und nicht lange drüber nachgedacht, weil Diskutieren Zeit kostet, und genau die hatten wir nicht mehr übrig.
Dann der Zahnarzt, extra Termin, nur für die Kinder. In Thailand gibt's sicher gute Zahnärzte, aber eben nicht sofort, und sicher nicht mit einer deutschen Versichertenkarte in der Tasche. Also lieber hier noch mal alles durchchecken lassen, solange wir noch genau wissen, wen wir anrufen müssen, wenn was ist.
Und der Augenarzt, in derselben Woche wie alles andere, weil sich's einfach nicht anders timen ließ. Ich saß im Wartezimmer, zwei Kinder auf dem Schoß, und hab überlegt, wie viele Arzttermine ein Kind eigentlich braucht, bevor man mit ihm auswandern darf. Gefühlt waren's an dem Punkt schon mehr Ärzte als Umzugskartons, und das will was heißen.
Warum wir das nicht einfach verschoben haben
Man könnte sagen: Ist doch nicht so wichtig, das holt man später nach. Aber später heißt bei uns: anderes Land, andere Sprache, andere Versicherung, andere Abläufe, die ich noch nicht mal kenne. Ich wollte nicht erst in Thailand rausfinden, welche Unterlagen ich brauche, um überhaupt einen Kinderarzt zu finden, der versteht, was ich von ihm will. Lieber hier, wo ich weiß, wie das System tickt, wo ich die Sprache spreche und genau weiß, welche Karte ich an welchem Schalter vorzeigen muss.
Anstrengend war's trotzdem, das will ich nicht schönreden. Jeder Termin bedeutete: zwei Kinder aus dem gewohnten Ablauf reißen, ins Wartezimmer setzen, hoffen, dass keiner einen Durchhänger kriegt, während nebenan noch drei andere Familien warten und einen ansehen, als würde man das schon wissen müssen, wie man Kinder in so einer Situation ruhig hält. Und dann wieder raus, nach Hause, nächster Punkt auf der Liste, kein Durchatmen dazwischen.
Ich hab mich dabei ertappt, wie ich abends nur noch Häkchen setzen wollte. Nicht, weil mir die Untersuchungen an sich egal waren – im Gegenteil, ich fand's wichtig, dass wir das machen. Sondern weil ich einfach müde war von der Anspannung, alles rechtzeitig unterzukriegen, bevor die Zeit komplett davonläuft.
Am Tag vom letzten Termin saß ich im Auto und hab kurz gar nichts gedacht. Kein Jubel, keine große Erleichterung, kein Gefühl von "geschafft" im großen Stil. Nur: geschafft, nächster Punkt, weiter geht's. So fühlt sich Auswandern eben manchmal an – nicht wie ein emotionales Kapitel mit Musik im Hintergrund, sondern wie eine sehr lange To-do-Liste, die man mit Zähnen und Klauen abarbeitet, damit hinterher wenigstens in dem Bereich nichts fehlt.
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Von Jenny am 29.06.2026
Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.
Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.
Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.