Der Tag, an dem wir gegangen sind

Irgendwann hört das Packen auf und fängt das Gehen an.

Für uns war dieser Moment ein Dienstagmorgen in München. Sechs Koffer im Flur. Wir hatten mit acht gerechnet, aber irgendwo zwischen den letzten Listen und den letzten Entscheidungen hatten wir zwei Sachen losgelassen, die wir gar nicht mehr loswerden wollten. Kleines Wunder.

Dann sind wir ein letztes Mal durch unser Haus gegangen.

Das ist so ein Satz, der harmloser klingt als er ist. Leere Räume, die man kennt. Licht, das man tausendmal gesehen hat. Ich hab nicht versucht, mich an alles zu erinnern, das wäre sowieso sinnlos. Trotzdem bleibt man stehen. Vor dem Fenster. In der Küche. An der Tür, die man zum letzten Mal zuzieht. Es ist kein Drama. Es ist einfach... fertig.

Unsere Familie hat uns zum Flughafen gebracht.

Im Auto war es überraschend normal. Wir haben geredet, ein bisschen gelacht, den Stau verflucht wie immer. Und dann waren wir da. Koffer raus, Umarmungen, Tränen...die kamen ohne Vorwarnung, wie immer bei den Sachen, die wirklich zählen. Niemand hat lange Reden gehalten. Manche Abschiede brauchen keine Worte, die brauchen nur Zeit, die man nicht hat.

Hinter der Sicherheitskontrolle war die Welt schon wieder laut und eilig. Durchsagen, Rollkoffer, Leute mit Kaffeebecher in der Hand. Das Leben macht einfach weiter. Was soll es auch sonst tun.

Wir haben am Gate gesessen und gewartet.

Und dann: Boarding. Fensterplatz. Startbahn.

Ich weiß noch genau, wie München unter uns kleiner wurde. Die Straßen, die Häuser, der Englische Garten — alles, was vertraut war, wurde zu einem Muster aus der Luft. Und statt Traurigkeit kam etwas anderes. Schwer zu beschreiben. Nicht Erleichterung, nicht Euphorie — eher dieses Kribbeln, wenn man weiß, dass jetzt etwas wirklich anfängt.

Wir flogen in Richtung Südostasien. In Richtung allem, was wir noch nicht wussten. Und das Komische ist: genau das hat sich richtig angefühlt.

Der Abreisetag ist nicht das Ende. Er ist der Moment, in dem man aufhört zu planen und anfängt zu leben.

Über diesen Blog

Ich bin Jenny – Mama von zwei Kleinkindern, und seit diesem Sommer nicht mehr in Aschheim, sondern unterwegs.

Wir haben unser Haus verkauft, sind über Vietnam gegangen und ziehen weiter nach Thailand. Hier schreibe ich auf, wie das wirklich abläuft – der Papierkram, der Abschied, der Alltag mit Kindern in einem Land, das nicht unseres ist.

Keine Hochglanz-Auswanderer-Story, sondern das, was tatsächlich passiert.